Ich weiss was ich will

Ich weiss, was ich will!

Heute habe ich wieder von meinem lieben Freund, LinkedIn, eine Mail erhalten. Er (muss ich mich erklären, weshalb es ein «er» ist) ist mein best friend. Fast jeden Tag denkt er an mich. Heute hat er mich darüber informiert, was die Unternehmen im 2020 für personale Kompetenzen erwarten oder fordern. Mein erster Gedanke war, wechseln die jetzt alle Mitarbeitenden aus? Oder laufen die jetzt durch Grossraumbüros und sprühen mit einem universal soft skills Spray Selbstverantwortung, Eigeninitiative, Motivation und persönliche Selbstreflexionsfähigkeit? Damit die Unternehmung erfolgreich durch einen Transformationsprozess zu einem Agilitymanagement flutscht?

Aber nein, ein anderer best friend schreibt heute, dass für das 2020 ganz oben auf der Liste Kreativität, Kooperation, Überzeugungskraft und emotionale Intelligenz steht. Ja, das war auch sogleich mein erster Gedanke: Meine besten Freunden kennen sich nicht!

Aber Spass bei Seite. Was ich nicht verstehe, wie ich diese Mitteilungen zu verstehen habe. Ist das jetzt auch eine Feststellung, dass viele Mitarbeitende diese Fähigkeiten nicht haben? Oder darin zu wenig gut sind? Weil das Bedürfnis nach diesen Fähigkeit impliziert ja das Fehlen davon, nicht? Quint Essenz wäre ja dann, dass wir eigentlich unfähig sind. Aber lassen wir den Gedanken mal ruhen.

Vorgestern war ich an einer Veranstaltung. Da wurde eine Stunde lang über den LP21 referiert. Wenn Sie Kinder im schulpflichtigen Alter haben, müssten Sie den eigentlich kennen. Schon während der Veranstaltung wurde mir bewusst, dass dieser Lehrplan uns Eltern einfach so wunderbare Kinder schenken wird. In Zukunft werden wir überzeugte, kritische, mündige, emotional intelligente, kreative, kooperierende, agile, selbständige und initiative Töchter und Söhne haben. Weil der Lehrplan jetzt kompetenzorientiert Wissen in die Handlung bringt. Das sind wunderbare Nachrichten, nicht?

Und gerade eben erreicht mich die Nachricht, dass eine Plattform für berufliche Abklärungen gratis Infoveranstaltungen machen wird. Wie schon seit 20 Jahren. Und seit 20 Jahren verspricht sie, dass mit dem Vergleich von Schulleistungen die jungen Menschen genau wissen werden, was sie machen wollen. Grossartig! Was mich irritiert, ist, weswegen die Lehrabbrüche dann in den letzten Jahren auf 21% gestiegen ist und das Niveau der fachlichen Leistungen tatsächlich bemerkenswert abnimmt. Und das trotz all den bilateralen Unterstützungen und Leistungsvergleiche.

Fassen wir zusammen: Die Wirtschaft wechselt alle Jahre wiedermal die Anforderungen an personale Kompetenzen und trotz Vergleiche von schulischen Leistungen für die Berufswahl steigt die Quote der Lehrabbrüche.

Erlauben Sie mir die Frage? Soll ich sie stellen? Wirklich? WELCHEN SINN MACHT DENN DAS? Schulische Leistungen vergleichen für die Berufswahl und die Berufswelt ändert fast jährlich die Anforderungen an die personalen Kompetenzen. Sie ändert ja nicht die fachlichen Kompetenzen.

Gut zu wissen, dass die heutigen Kindern in ein paar Jahren diesen ständig ändernden personalen Fähigkeiten gewachsen sein werden, weil der LP21 mit der Kompetenzorientierung genau die Zeichen der Zeit erkannt hat. Blöd, wenn ihr Kind in den nächsten 3–5 Jahren aus der Schule kommt und sich für einen Beruf entscheiden und einen Lehrbetrieb finden muss.