Homeschooling

«Home Schooling ist Persönlichkeitsbildung pur!»

Mit der bundesrätlich angeordneten Schulschliessung wurde ein neues Kapitel im Kampf gegen das Coronavirus aufgeschlagen. Ab diesem Zeitpunkt hatten vielen Familien einen Ausnahmezustand. Die Kinder waren rund um die Uhr zu Hause. Ohne Möglichkeit den vier Wänden mit Schooling und Hobbys oder im üblichen Weekend- und Holiday-Modus zu entrinnen, um sich auswärts auszupowern. Oder sich auch mal organisiert aus dem Weg zu gehen.

Bis meine Frau und ich realisiert haben, was genau passierte, meldeten sich schon die Klassenlehrpersonen, die Schulleitungen und Schuladministrationen mit regelmässigen Organisations- und Verhaltensanweisungen. Nebenher mussten wir uns beruflich und betrieblich organisieren. Vermutlich auch deswegen und geplagt von grosser Unsicherheit und Ungewissheit schoben wir uns gegenseitig in die Verantwortung für die Inhouse-Kinderbetreuung. Wer übernimmt den Lead? Oder doch besser lean? Welche Prinzipien hat meine Frau eigentlich, fragte ich mich? Was ist ihr wichtig? Und meine Kinder? Lassen sie sich auf mich ein? Funktioniert das mit der Doppelrolle? Wie verhalte ich mich, wenn meine Tochter nicht tut, was sie sollte? Oder ich wollte?

Wie es uns erging? Dazu später 😊.

Ist Ihnen auch aufgefallen, wie sich die Begriffe für das Unterrichten zu Hause sich entwickelt haben? Zu Beginn hiess es «Fernunterricht», dann «Distance Learning», weiter zum «home schooling» und jetzt sind wir beim «e-schooling». Warum ist es nötig, dass etwas was jeder versteht, so genannt werden muss, dass dann jeder was anders verstehen kann? Interessant ist, dass beim Fernunterricht die Lehrperson nicht zu Hause ist, beim home schooling müsste sie aber schon. Beim Distance Learning eigentlich kein Unterrichten stattfindet, beim Fernunterricht oder Schooling aber schon.

Was in vielen Familien in den letzten Wochen passierte, ist, dass die Kinder oder die Eltern auf irgendeinen Weg – in die Schule laufen oder digitale Zustellung – die Aufgaben für je eine Woche erhalten haben. Wer hat jetzt vermittelt? Unterrichtet? Erklärt, organisiert, unterstützt, getröstet, motiviert und gelobt? Natürlich haben die Lehrpersonen einen grossartigen Job gemacht! Jedenfalls die, die sequenziell die Schülerinnen und Schüler begleitet haben. Oder über eine digitale Plattform versuchten eine Art von Unterrichten zu machen.

Wie es uns erging und was hat das mit Persönlichkeitsbildung zu tun? ALLES! Wir waren jeweils so müde am Abend und geschafft. Wir alle – ich, meine Frau und die Kinder. Wir waren so diszipliniert und hielten uns an selbst auferlegte Pläne und Ziele. Wir handelten aus, erklärten und setzten uns durch. Dehnten unsere Flexibilität und Verständnis. Pochten auf unsere Prinzipien und übten uns in Toleranz. Wir haben Meinungen gebildet, verworfen und neue gefunden. Gestritten? Ja, aber natürlich! Teils flogen die Fetzen – bei unseren Kindern. Meine Frau und ich sind ja vernünftig 😊

Diese Intensität des Kennenlernens und Verstehens unsere Persönlichkeiten, die sehr unterschiedlich sind, war enorm hoch. Dieses Fundament des gegenseitigen Verständnisses und Verstehen wollen, hat uns einander deutlich nähergebracht.

So gesehen haben wir das Home-Schooling als perfektes Umfeld genützt, um im home schooling unsere Persönlichkeiten zu entwickeln.